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Weiter am Ball

Parallel zum Confed-Cup, dem Testturnier vor der Fußball-WM der Männer 2014, demonstrieren zahlreiche Menschen in mehreren Städten Brasiliens weiter. Die Proteste hatten sich an Bus-Fahrpreiserhöhungen und dem brutalen Vorgehen der Polizei gegen eine Manifestation in der vergangenen Woche in São Paulo entzündet. Am Montag hatte Brasilien die größten politischen Kundgebungen seit zwanzig Jahren erlebt.

Auf der Agenda der breitgefächerten Bewegung stehen soziale und demokratische Forderungen. Angeprangert werden die Milliardensummen, die in neue Fußballarenen und Infrastrukturmaßnahmen fließen, häufig an den Bedürfnissen der Bewohner der zwölf WM-Städte vorbei. Tausende Familien wurden zwangsgeräumt, Mieten und Immobilienpreise ziehen an. Der Weltfußballverband FIFA erhielt per Gesetz weitreichende Privilegien. Weniger rund läuft es bei Gesundheit und Bildung. „Ist dein Kind krank, bring es ins Stadion!“ und „Ein Lehrer ist mehr wert als Neymar“ lauten jetzt populäre Losungen.

Am Dienstag kam es am Rande einer friedlichen Demonstration in São Paulo zu Auseinandersetzungen am Rathaus. Die Polizei setzte Tränengas ein. Weitere Aktionen gab es unter anderem in Florianópolis und Maringá. Erstmals äußerte sich Staatspräsidentin Dilma Rousseff (Arbeiterpartei – PT) zu den Protesten. Diese zeugten von der „Energie unserer Demokratie“. Den Stimmen der Straße müsse Gehör geschenkt werden. Am Mittwoch war Taboão an der südwestlichen Peripherie von São Paulo einer der Schauplätze des Protestes. Tausende folgten hier den Aufrufen parteiunabhängiger Gruppen.

Das Aufbegehren hat bereits Wirkung gezeigt. In mehreren Städten wurden die Preiserhöhungen im Nahverkehr rückgängig gemacht. Bereitschaft dazu signalisiert auch der Bürgermeister von São Paulo, Fernando Haddad. Das Innenministerium kündigte den Einsatz von Soldaten zur Unterstützung der Polizei bei der Sicherung der Stadien an. Die FIFA und der brasilianische Fußballverband CBF nehmen die Sache sportlich und loben die friedlichen Demonstranten. Mehrere Spieler des Nationalteams und ihr Trainer Luiz Felipe Scolari äußerten Verständnis für die Proteste.

Von Peter Steiniger. Erschienen in: junge Welt vom 20.06.2013, Nr.140, S.1, Link

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