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Nah am Wasser

Die ganze Republik blickt aufs Meer. Der sozialistische Inselstaat Kuba schwimmt mit der gleichnamigen Hauptinsel und ihrer Nachbarin, der Isla de la Juventud, sowie mehr als 4.000 Inselchen im leuchtenden Türkis und Blau von Atlantik und Karibischer See. An Traumküsten mit einer Länge von insgesamt mehr als 3.500 Kilometern brechen sich die Wellen. Die Geschichte des Landes ist eng mit dem Wasser verbunden. Christoph Kolumbus verirrte sich 1492 auf dem Weg nach Indien in den Archipel. Kuba war Landungsort für Entdecker, Abenteurer, Seeräuber und ebenso für bärtige Revolutionäre. Das majestätische Meer nahm Einfluss auf das Denken, den Glauben und die Kultur, in ihm spiegeln sich Romantik und Tragik, es ist ein magischer Ort und bildet eine Barriere. Und, etwas profaner, es ist eine bedeutende Ressource, welche dem Land Nutzen bietet und Chancen öffnet. Einen Beleg dafür liefert der im vergangenen Jahr neu eröffnete Containerhafen von Mariel, der rund 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Havanna einer Sonderwirtschaftszone Auftrieb gibt. Das Drehkreuz an der Bucht von Mariel, ein kubanisch-brasilianisches Jointventure, kann die neuesten Riesenfrachter aufnehmen und als Logistikzentrum für Kuba etwas abschöpfen vom Warenstrom durch den Panamakanal.

Motor für Entwicklung

Längst erkannt wurde die Bedeutung der Küsten, aber auch die der Binnengewässer, für den Tourismus. Die Strände von Varadero, Holguin, bei Trinidad oder auf den Inselketten an der Nordküste ziehen mit weißem Sand und Palmen in den bekannten Farben Menschen aus aller Welt auf die Sonneninsel. Die Ansätze zu einer Normalisierung der Beziehungen zwischen Kuba und den USA, die ihren kleinen, politisch unbotmäßigen Nachbarn seit mehr als einem halben Jahrhundert mit einer wirtschaftlichen Blockade schädigen, wecken die Erwartung, dass bald mehr US-Touristen von Santiago de Cuba bis Havanna ihre Basecaps spazierenführen. Bisher müssen Amis, die schon reif für die Insel sind, einen unauffälligen Umweg via Mexiko oder über die Bahamas nehmen. Denn reisen dürfen sie nach Kuba nur demokratiefördernd, aus beruflichen, religiösen oder familiären Gründen, und müssen den US-Behörden Genehmigungsgründe vorlegen. In diesem Jahr setzte US-Präsident Barack Obama einige Reise- und Handelserleichterungen in Kraft. Die Kubaner bereiten sich seit Jahren auch auf eine solche Invasion vor. Beträchtlich ausgebaut werden die Hotelkapazitäten, auf neuen Golfplätzen sprießt das Grün. Ein neues Investitionsgesetz lockt mit Steuervergünstigungen ausländisches Kapital in den Tourismussektor.

Bildschirmfoto vom 2015-03-05 17:24:59Die Ferienindustrie hat sich in Kuba zum dynamischsten Wirtschaftssektor und zu einem der wichtigsten Devisenbringer für das importabhängige Land entwickelt. Nach dem Kollaps der Sowjetunion und der sozialistischen Staaten Osteuropas, die Kuba wirtschaftlich unterstützt hatten, geriet das Land ab 1991 in eine dramatische Notlage und drohte abzusaufen. Zur Überwindung der ökonomischen Krise, genannt „Sonderperiode in Friedenszeiten“ wurde der Ausbau des internationalen Tourismus eine entscheidende Front. Ausländische Unternehmen wurden zur Errichtung und Betreibung von Hotels und Freizeitanlagen ins Land geholt. Für viele Kubaner entstanden in dem rapide wachsenden Bereich Arbeitsplätze mit Zugang zu harter Währung, und damit deutlich überdurchschnittlichen Lebensbedingungen. Der Tourismus bildete, nicht ohne negative Begleiterscheinungen, eine Grundlage zur allmählichen wirtschaftlichen Stabilisierung Kubas. Die regelmäßigen Untergangsprophezeiungen waren und sind dem Geschäft keineswegs abträglich. Wer schon möchte „Castros Kuba“ nicht noch mit eigenen Augen gesehen haben? Das Wunder einer unperfekten, doch nach eigenen Regeln gestalteten Gesellschaft wirkt fort.

Längst ist die „Perle der Karibik“ ein etabliertes und beliebtes Reiseziel, das besondere Klasse bietet, und dies auch mit trockenen Füßen. Beim Besuch alter Kolonialstädte, beim Wandern in der Natur, dem Genuss von Musik und Lebensfreude. Im Jahr 2014 konnte ein neuer Rekord bei ausländischen Besuchern verzeichnet und die Drei-Millionen-Marke geknackt werden. Die Zahl der Ankünfte stieg um 5,3 Prozent. Danke, Deutschland: Ein Plus von 20 Prozent bei Reisenden, die im vergangenen Jahr für ihren Urlaub den „Tropensozialismus“ ansteuerten. „Das weiter gestiegene Interesse an Kuba ist positiv für unser Land. Der Tourismus hilft, Kuba ökonomisch zu entwickeln und damit auch, unsere sozialen Errungenschaften zu bewahren und die Gesellschaft insgesamt zu verbessern. Die Kubaner sind gastfreundlich und stolz auf die Schönheit, die Geschichte und Kultur ihres Landes“, sagt Isabel Docampo, Kubas Botschaftsrätin für Tourismus in Berlin. „Es lohnt sich, nach Kuba zu reisen. Heute und in Zukunft.“

Mit Perspektive

Intensiv vorbereitet wird derzeit die Leistungsschau des kubanischen Tourismus FITCuba 2015. Das besondere Gastland wird Italien sein. Bei der bereits 35. Ausgabe sollen Wasseraktivitäten im Vordergrund stehen. Bis 2030 reicht der strategische Plan für das nasse Element, das Netz der Tauchbasen und Yachthäfen wächst. Die neue „Marina Gaviota Varadero“ erhielt tausend Liegeplätze. Mehr Surfschulen bieten Kitesurfen an, jene junge Trendsportart, die angeblich auch Lenkdrachensegeln genannt wird. Die diesjährige Messe findet im Mai auf dem Cayo Coco, Teil der Inselkette Jardines del Rey, den „Gärten des Königs“, vor der Nordküste der Provinz Ciego de Ávila statt. Hier liegt im kristallklaren Wasser eines der vielen Taucher- und Schnorchlerparadiese Kubas, Schiffswrack und Korallenriff inbegriffen. Kuba, wie schön du bist.

Von Peter Steiniger. Erschienen in: junge Welt vom 04.03.2015, Beilage „Alternatives Reisen“, S.5, Link

Auf der ITB Berlin bei Mojito und traditioneller Musik von Pepe Lopez mehr über das Reiseziel Kuba erfahren: Cubanisches Fremdenverkehrsbüro, Halle 3.1, Stand 223 (Publikumstage 7. und 8. März 2015) www.cubainfo.de

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