
Der russische Blockadebrecher mit Diesel-Nachschub hat abgedreht. Kubas Transportwesen, die Landwirtschaft und viele Stromaggregate sitzen weiterhin auf dem Trockenen. Kleine Privatimporte können den Bedarf des Landes an Kraftstoffen bei Weitem nicht decken. Der Ausbau der Solarenergie in Kooperation mit China ist lediglich eine Teillösung für die Probleme im Energiesektor.
Nach wochenlangem Dümpeln im Nordatlantik setzte sich die „Universal“ in der vergangenen Woche wieder in Bewegung. Statt nach Kuba läuft sie nun mit etwas über 10 Knoten südostwärts und befindet sich aktuell knapp südlich des Äquators, nahe der brasilianischen Nordostküste. Nach den Daten bei ShipAtlas ist ihr Status immer noch: Zielhafen/Order offen.
Die Kursänderung trifft Kuba in einer akuten Treibstoffkrise aufgrund der auch von UN-Experten als illegal eingestuften US-Blockade. Die „Universal“ galt als möglicher zweiter russischer Nachschub, nachdem Ende März die „Anatoly Kolodkin“ mit Rohöl in Matanzas eintraf. Der Finanzdienst Bloomberg hatte Anfang Mai berichtet, die „Universal“ transportiere rund 270.000 Barrel Diesel für Kuba.
Die „Universal“ ist ein 183 Meter langer und 32 Meter breiter Panamax/LR1-Tanker, passt also durch den Panamakanal. Das Schiff war am 29. März aus dem russischen Ostseehafen Ust Luga ausgelaufen und passierte am 8. April den Ärmelkanal; anschließend wurde es Richtung Atlantik von der Fregatte „Admiral Grigorovich“ begleitet. Doch Mitte April stoppte die „Universal“ auf See, etwa 1000 Meilen vor Kuba im Atlantik.
Das vom Westen sanktionierte Schiff wird der im Dezember 2023 in St. Petersburg registrierten Firma „Северный Флот“ (North Fleet) zugeschrieben. Die heutige „Universal“ wurde als „Prisco Irina“ in Jinhae, Südkorea, für einen auf Zypern registrierten Eigner gebaut und zunächst von einem Reeder aus Singapur betrieben. Später hieß der Tanker „SCF Ussuri“. Vor der russischen Trikolore fuhr er unter zyprischer, liberianischer, gabunischer, barbadischer und komorischer Flagge.
Häufig müssen Tanker warten: auf kommerzielle Entscheidungen, Wetterfenster oder Liegeplätze. Der einmonatige Zickzackkurs der „Universal“ spricht eher nicht für logistische Gründe, sondern viel eher für eine fehlende politische Freigabe aus Moskau vor dem Hintergrund der militärischen Drohungen des Weißen Hauses gegen Kuba.
Dabei hatte Russland zuvor weitere Hilfe für Kuba angekündigt. Anfang April sagte der russische Energieminister Sergej Ziwiljow, dass Russland ein zweites Schiff mit Treibstoff für Kuba plane und die Kubaner nicht im Stich lassen werde. Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, sicherte Kuba am 21. Mai noch einmal aktive Unterstützung zu und verurteilte die US-Sanktionspolitik gegen die Insel.
Nachdem die „Universal“ die Biege gemacht hat, erreichen Kuba statt großer Tanker weiter nur kleine Container. Die US-Restriktionen unterscheiden zwischen staatlichen Empfängern und privaten Firmen. Reuters berichtete Ende März, US-Lieferanten hätten seit Jahresbeginn etwa 30.000 Barrel Treibstoff für den kubanischen Privatsektor verschifft. Die Lieferungen kamen vor allem in ISO-Tanks auf Containerschiffen an und wurden überwiegend im Hafen Mariel westlich von Havanna entladen. Es handelt sich bei diesem Treibstoff fast ausschließlich um Diesel.
An der Größenordnung der Energiekrise ändern diese Privatimporte nichts: Der Bedarf Kubas an importiertem Treibstoff liegt bei etwa 100.000 Barrel. Jeden Tag. Etwa 40 Prozent des benötigten Treibstoffs deckt Kuba durch eigene Förderung und Produktion.
Ein kleiner Lichtblick ist der beschleunigte Ausbau der Solarenergie. Die Chinesen liefern tatsächlich: Im Rahmen eines Kooperationsprogramms werden von Shanghai Electric und der kubanischen Unión Eléctrica weitere Solarparks mit mehr als 120 Megawatt Leistung auf der Insel installiert. Zum Vergleich: Der Spitzenbedarf liegt bei 3500 Megawatt. Geht alles nach Plan, sollen dann bis 2028 insgesamt 92 Solarparks mit zwei Gigawatt Leistung in den verschiedenen Provinzen zur Stromversorgung beitragen.
Daneben setzt Unión Eléctrica ein Programm mit 5000 von China gespendeten Anlagen zu je zwei Kilowatt um. Diese kommen nicht ans Netz, sondern dienen der dezentralen Versorgung wichtiger Einrichtungen wie Polikliniken, Altenheime, Bankfilialen oder Funkmasten, damit sie bei Blackouts weiter funktionieren. Für die Energiewende bleiben hohe Hürden: Die nötigen Investitionen sind enorm, es fehlen Energiespeicher für die Stunden mit der höchsten Last. Denn auch in Kuba geht die Sonne am Abend unter.