
Das Wohn- und Geschäftshaus mit dem niedrigen Erdgeschoss in der Bölschestraße 102 ist 1871 für den Friedrichshagener Fabrikanten August Gentz erbaut worden. Im selben Jahr erhält die Dorfstraße des Ortes am Nordufer des Müggelsees den Namen Friedrichstraße. Am Ende der Kaiserzeit zieht die Drogerie von Paul Hannes ein. Er betreibt sie gemeinsam mit Ehefrau Helene. Neben ihnen wohnen im Haus die Familien des Böttchers Fritz Reinke und des Bahnarbeiters Gustav Heinrich.
Zuvor hatte sich das von Paul Hannes 1906 gegründete Unternehmen im Haus mit der Nummer 36 schräg gegenüber befunden. Heute steht dort ein Neubau mit Edeka-Markt. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges läuft die Drogerie auch unter Farben-, Photo- und Mineralwasser-Handlungen.
Ein Vierteljahrhundert ist Friedrichshagen längst nach Berlin eingemeindet. Das Geschäft wächst um eine Filiale in der Schmargendorfer Hundekehlestraße. 1943 steht der älteste Sohn Oskar, Jahrgang 1907, dafür in den Büchern. Wenige Jahre nach Kriegsende übernimmt er von Helene, die den Neuanfang bewerkstelligt hat, den Friedrichshagener Laden. Die Straße heißt nun erst Wilhelm-Bölsche- und ab 1947 einfach Bölschestraße.
1956 ist aus der Hannes-Drogerie ein Laden der HO Industriewaren, Kreisbetrieb Köpenick, hervorgegangen. Die weitere DDR-Zeit hindurch bietet der zunächst „Hausputz“ genannte Fachhandel hier Seifen, Waschmittel und Kosmetikprodukte an. Zur Tradition des Kulturdenkmals passt später die Parfümerie Nina Stein, bevor mit dem Modegeschäft Fischer ein anderes Genre hier einzieht. Derzeit sieht das Erdgeschoss seiner nächsten Bestimmung entgegen.