Über die Internationalität von Burg Giebichenstein, die Potentiale der Kreativen, die Formung junger Talente und guten Geschmack
Prof. Axel Müller-Schöll, geb. 1960, ist Rektor der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, studierte Architektur, Innenarchitektur und Möbeldesign an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und an der Universität Florenz. Seit 1994 hat er in Halle eine Professur inne, 2010 wurde er zum akademischen Leiter der Hochschule gewählt
„Willkommen in der Händel-Stadt Halle!“ umgarnt die automatische Durchsage den Ankömmling am Hauptbahnhof. Halleluja! Die mit etwa 230000 Einwohnern größte Ortschaft Sachsen-Anhalts setzt einen Kontrapunkt zur schrillen Melodie des Bundeslandes, welches sich als Reich weckergeplagter Frühaufsteher verkauft. Dessen Herrschaftszentrum ist Magdeburg, für Halle bleibt die Marke „Kulturhauptstadt“. Am barocken Tonsetzer Friedrich-Georg kommt auch Exbundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, ein anderer namhafter Sohn der Stadt, nicht vorbei. Und mit der Chemie stimmt es hier längst nicht mehr. Geblieben sind Kultur und Wissenschaft.
Halle ist ohnehin keine Stadt der Schlote, sondern die der Türme, fünf davon machte Lyonel Feininger in seinem Halle-Zyklus 1929–1931 berühmt. Der Maler schaute hier gern bei seinem Freund aus Weimarer Bauhaus-Tagen, dem Bildhauer Gerhard Marcks, vorbei. Dieser stand der Staatlich-städtischen Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein vor, die einen fruchtbaren Wettstreit mit dem seit 1925 in Dessau angesiedelten Bauhaus praktizierte.
Mein Weg führt mich, am Saaleufer entlang, zum „Burgherrn“ unserer Tage. Das Rektorat hat seinen Sitz am Neuwerk 7, dem Campus Design, in einer früheren Fabrikantenvilla, welche großzügig von einem Park umgeben ist. Vor der Cafeteria und auf den Wiesen sitzen schöne junge Menschen in der Mittagssonne. In der Auffahrt parkt ein Porsche zwischen Dutzenden Fahrrädern. Nein, nicht sein Fahrzeug wäre das, erklärt mir heiter ein aufgeräumter Professor Müller-Schöll, während wir von der Veranda das Anwesen überblicken. Der Wagen sei ein Klassiker aus den 1980er Jahren. Über das Design des Autos läßt sich nicht meckern. Auch das Büro des Rektors selbst enttäuscht nicht die diesbezüglichen Erwartungen. Die Einrichtung ist geschmackvoll, farbstark, funktional. Der kleine Konferenztisch kann auf Knopfdruck die Grätsche machen. Bewegt man die Platte nach oben, läßt sich daran auch im Stehen arbeiten. Wir setzen uns.
Wie sitzt es sich auf dem Rektorenstuhl einer Hochschule, die für große künstlerische Traditionen steht, aber doch abseits kultureller Zentren wie Rom, London, Berlin oder New York eine kreative Nische in der ostdeutschen Provinz bildet?
Gut! Aber nicht weil wir in der Provinz sitzen, sondern weil Halle etwas hat, was die anderen von Ihnen angeführten Städte nicht haben und was ich sehr schätze: Halle ist eine langsame Stadt!
Was kann man daran denn Besonderes finden?
Ich bin im Nachkriegs-Stuttgart groß geworden. Vieles an historischer Substanz war zerstört und wurde eher pragmatisch als gefühlvoll wieder aufgebaut. Die noch vorhandenen Spuren in den Relikten waren bald verwischt, weggebaut. Nach vierzig Jahren DDR war das in Halle anders, man hatte sich (aus welchem Grund auch immer) mit der alten Bausubstanz arrangiert. Als Architekt ist für mich die Präsenz von Spuren und Details aus der Vergangenheit kostbar.
Und was bringt das langsame Halle den Studierenden?
Direkt nach der Schule zieht es viele junge Menschen erst einmal in aufregendere Großstädte wie Berlin oder Hamburg. Ein Vorteil hier ist: Die Studienbedingungen sind günstiger, es herrscht eine größere Konzentration auf das Studium, eine tiefergehende Auseinandersetzung mit den Kommilitonen und auch eine intensivere Betreuung. Wir bilden unsere Studenten nicht nach einem bestimmten Muster aus, sondern verwenden viel Energie darauf, die jeweilige Begabung der Bewerber zu erkennen und uns die Frage zu stellen, ob wir in der Lage sind, diese weiterzuentwickeln.
Wie läßt sich das mit dem heute geforderten Eiltempo-Studium vereinbaren?
Die Bachelor-Regelstudienzeit für unsere Design-Studiengänge beträgt an der Burg acht Semester. Hier nutzen wir die größtmögliche Zeitspanne, die der Bologna-Prozeß zuläßt. Ein künstlerisches bzw. gestalterisches Studium hat weniger mit dem Ausbilden als vielmehr mit einem Reifeprozeß zu tun. Der erfordert kritische Begleitung und eben Zeit.
Als Hochschule für industrielle Formgestaltung war Giebichenstein eine der einflußreichsten Ausbildungsstätten der DDR. In der Zeit danach gab es Umbrüche bei Lehrkörper und -inhalten. Ein konfliktreicher Weg, beschrieben in der „Burg“-Historie „als besondere Form der kollektiven Erfahrung“ und „anhaltender Diskurs“. Wie schlägt sich das bei Ihnen nieder?
Was die Zeit des Übergangs, der Neufindung angeht, so kann ich das nur aus der Warte des zunächst nicht unmittelbar Beteiligten sagen. Ich hatte mich als junger Mensch eher dem romanisch geprägten Leben hingezogen gefühlt, nach dem Abitur in Frankreich ein Schlosserpraktikum gemacht und später längere Zeit auch in Italien studiert, wo noch einmal ein anderer Zeitgeist herrschte. In meinen ersten Jahren an der Burg war mir vieles neu, und ich habe dabei auch viel über Härten gelernt, die eine solche gesellschaftliche Wende mit sich bringt; von Menschen, die vielleicht zehn oder zwanzig Jahre älter sind als ich und die das Gefühl hatten, daß sie während der DDR-Zeit nicht die Chance hatten, sich zu entwickeln, und daß nach der Wende dann der Zug wieder ohne sie abgefahren ist. Auf der anderen Seite war es aber auch toll, die Leidenschaft zu spüren, mit der die Dinge noch einmal grundsätzlich hinterfragt wurden. Mir haben sich die damals geführten Auseinandersetzungen weniger als Ost-West-Konflikt, sondern vielmehr als engagiert ausgetragener Generationenkonflikt dargestellt.
Zur Geschichte der Burg gehören Leute wie der 1921 geborene Willi Sitte, der im antifaschistischen Widerstand war, von 1951 bis 1986 hier lehrte und zu den bedeutendsten zeitgenössischen Malern zählt. Wie stehen Sie zu der öffentlichen Mißachtung, die er wegen seiner Tätigkeit als DDR-Kulturfunktionär erfuhr?
Was die Vorbehalte gegen Willi Sitte angeht, so kann ich dazu wenig sagen – ich hatte in seiner Zeit an der Burg nicht mit ihm zu tun. In jedem Fall scheint die Öffentlichkeit dies von der Bewertung des Künstlers Willi Sitte zu unterscheiden, denn er erfährt bei Sammlern und Galerien, auch im Westen, ja eher eine steigende Aufmerksamkeit …
Ist die DDR-Epoche für die heute Studierenden bereits „kalter Kaffee“?
Eine Hochschule ist ja ein dynamischer Organismus, der weniger von seiner Geschichte, sondern entscheidender von denen geprägt wird, die im Hier-und-Jetzt aktiv sind. Heute studieren hier überwiegend junge Menschen, die in der Nachwendezeit geboren sind. Eine Generation, die Europa nicht mehr als Ausland begreift und für die es eine Selbstverständlichkeit ist, sich mindestens zweisprachig in ihrem Metier ausdrücken zu können. Wenn die Rede auf die DDR kommt, sind sie der Überzeugung, daß das alles Geschichte ist und nicht wirklich was mit ihnen zu tun hat. Die jungen Leute sortieren sich auch anders als nach Ost und West. Für sie ist das, was sie hier erleben, erfahren und für sich erkennen, ihre Burg. Und ich denke, darauf haben sie auch ein Recht.
Doch sind die unterschiedlichen sozialen Prägungen noch spürbar?
Die Leute, die hier studieren, haben nicht nur deshalb Erfolg, weil das hier so ein toller Laden ist und weil wir so gute Arbeitsbedingungen haben. Sondern vor allem deshalb, weil sie eine unglaubliche Energie entwickeln. Gerade die, die aus dem Osten kommen, das ist etwa die Hälfte der Studenten, haben in ihren Familien so viele Härten und Verwerfungen erlebt, daß die sich sagen: Das ist meine Chance, die nutze ich! Sie haben Biß und schaffen um sich herum ein produktives Umfeld, das allen zugute kommt. Das ist etwas, was mich beeindruckt und extrem inspiriert. Unsere Absolventen haben in aller Regel wenig Fangnetze unter sich. Sie gehen ernsthaft auf ihr Leben zu und setzen sich mit den Risiken auseinander.
Etwa jeder zehnte Studierende der Burg stammt nicht aus Deutschland. Wie hat Halle sich international herumgesprochen?
Unsere Kunsthochschule pflegt Kontakte zu 72 Kunst- und Designhochschulen weltweit und ist in verschiedene internationale Netzwerke eingebunden. Über das Austauschprogramm „Erasmus“ unterhalten wir Kooperationen zu mehr als 50 Partnerschulen in 20 Ländern in Europa. Das Problem mit „Erasmus“ ist allerdings, daß sich nicht unbedingt die Studierenden der aufnehmenden Hochschule auch für die entsendende Uni interessieren. Das ist auch an der Burg so.
In Ihrer Vita ist auch eine Lehrtätigkeit in Peking verzeichnet. Welche Erfahrungen haben sie dort gesammelt?
Ich war dort 1993 – also nicht lange nach der gewaltsamen Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Tian’anmen-Platz. Zu der Zeit war China noch viel nach innen gekehrter. Aber es war schon zu merken, daß man sich mit dem Westen auseinandersetzte und weiterentwickeln wollte. Mitgebracht habe ich die Erkenntnis, daß ein kultureller Wandel, der unter Druck betrieben wird, Gefahr läuft, Abziehbilder der bloßen Form zu erzeugen, aber keinen wirklichen Transfer des Inhalts. Einen eigenen Weg einzuschlagen, braucht Zeit und Geduld. Zwischenzeitlich hat China auch seinen Hochschulbereich extrem entwickelt, wobei ich nicht sicher bin, ob sie das richtige Tempo gefunden haben. Die Burg hat mit der Academy of Fine Arts in Tianjin eine Partnerschaft und pflegt diesen Kontakt.
Ebenso den Kontakt mit Kuba, das sich westlichen Entwicklungspfaden weiter verweigert. Die Verbindungen zur Designhochschule ISDi in Havanna, deren Aufbau sich auch an Giebichenstein orientierte, reichen vierzig Jahre zurück. Der Kulturboykott der Bundesregierung gegen Kuba von 2004 bis 2007 scheint Sie nicht beeindruckt zu haben?
Es ist richtig, wir haben den Kontakt aufrechterhalten zu einer Zeit, als die Beziehungen mit deutschen Institutionen kühl bis kalt waren. Als Kunsthochschule interessiert uns Völkerverständigung jenseits politischer oder ökonomischer Programme. Da diese Partnerschaft so weit zurückreicht, haben wir bei deren Pflege eine breite Übereinstimmung an unserer Hochschule. Wir sehen uns dabei nicht in der Rolle des Missionars. Sondern wir bauen eine eigene Position auf, um Erkenntnisse zu generieren und für die Studenten das Fenster zu einer anderen Welt offenzuhalten. Man erfährt dabei zum Beispiel, daß materielle Aspekte nur mittelbar mit empfundenem Glück und persönlicher Perspektive zu tun haben. Natürlich setzen solche Kooperationen eine Einigung auf gemeinsame Grundregeln voraus. Einen solchen Vertrag haben wir mit dem ISDi in Havanna gerade für weitere fünf Jahre verlängert. Wir bemühen uns, daß in Zukunft weitere Gaststudenten aus Kuba zu uns nach Halle kommen können und die wirklich Begabtesten dazu die Möglichkeit erhalten.
Man merkt in Halle schnell, daß Ihre Schule ein wichtiges Aushängeschild für Stadt, Wirtschaft und Politik ist …
Das ist in der Tat so. Sachsen-Anhalt hat ja einen einschneidenden Prozeß der Neusortierung hinter sich. Es ist unglaublich viel industrielle Produktion weggefallen, die Chemie ist zusammengeschmolzen. Im Gegensatz dazu ist die Kreativwirtschaft völlig gegen den Trend gewachsen. Dieser Bereich, in dem auch wir uns bewegen, ist heute, gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen, etwa genauso groß wie die chemische Industrie und der Maschinenbau.
Je weniger produziert wird, desto mehr Kreative werden benötigt. Wie erklärt sich das, und wie wirkt das auf Politik und Gesellschaft ein?
Diejenigen, die sich in der Kreativwirtschaft bewegen, haben ja nicht nur die Aufgabe, nur neue oder immer noch schönere Produkte zu entwickeln. Sondern sie helfen uns, die Welt zu verstehen. Sie konfrontieren mit Widersprüchen. Designer gestalten heute auch den Kontext, indem ein Produkt wahrgenommen wird. Sie verleihen Umgebungen eine Identität, kommunizieren Werte und Zusammenhänge. Sie machen Netzwerke erkennbar und spielen in strategischen Planungen eine immer entscheidendere Rolle. Man erkennt zunehmend, daß Kultur in der computer- und webbasierten Wirtschaft unverzichtbar ist.
Nicht wenige Kreative lassen sich mit ihren besonderen kommunikativen Fähigkeiten ja auch einspannen, um der jeweils herrschenden Meinung zu dienen. Sind sie nicht viel eher deren Multiplikatoren?
Kaum, denn das Selbstverständnis von Künstlern und Gestaltern fußt ja darauf, daß sie frei und unabhängig denken und handeln. Das ist es ja, was sie manchmal unbequem macht; aber gerade deshalb sind sie auch ein wesentliches Korrektiv für die Weiterentwicklung einer Gesellschaft. Wir bestärken unsere Studenten, sich selbständig und kritikfähig in die Gesellschaft einzubringen.
Das eigene Lied zu singen, kann diejenigen, die ihre Talente im real existierenden Kapitalismus zu Markte tragen müssen, teuer zu stehen kommen …
Es ist ja kein Geheimnis, daß die wenigsten Künstler von ihrer Kunst auch leben können. Aber das steht in keinem Gegensatz dazu, daß sie als Persönlichkeiten die Gegenwart anders reflektieren und damit zu Konsens oder Korrektur verhelfen. Ein wesentlicher Vorteil, den wir bei der Genesis unserer Gesellschaft haben, ist dieses stark kulturell basierte Selbstverständnis. Das gilt auch für soziale und politische Entscheidungen. Nehmen Sie z.B. den Widerstand gegen „Stuttgart 21“ oder den Bau der Münchner Startbahn. Hier waren es gerade die Kreativen, die die Auseinandersetzung damit initiierten und die Beteiligung der Bürger an der Entscheidung durchsetzten.
Gesellschaftskritik spielt in vielen Arbeiten Ihrer Studenten eine Rolle, Sie selbst betonen stets eine große Eigenständigkeit der Hochschule gegenüber Politik und Wirtschaft. Woher nehmen Sie sich den Freiraum?
Es gab und gibt hier viele Kolleginnen und Kollegen, die sich dafür sehr engagiert eingebracht haben. Die Politik hat uns Luft gelassen und uns ermöglicht, daß wir uns entwickeln konnten. Vielleicht auch deshalb, weil die wirklich großen Institutionen, wie die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg oder die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, die meisten Kräfte der Regierenden gebunden hatten. Wir haben jedenfalls keinen Grund, uns zu beschweren.
Eine menschengerechte Umwelt, die Bedürfnisse und Interessen der Menschen sollten bei Planung und Gestaltung Maßstab sein. Wie stehen Sie zum Schlagwort „soziales Design“?
Zunächst einmal bin ich der Überzeugung, daß Design an sich sozial ist. Es verbindet Menschen miteinander; es sind gestaltungsintensive Dinge, die sich jemand für andere ausgedacht hat und den Menschen dabei helfen, sich auszudrücken, sich erkennbar zu machen und sich zu orientieren. Es gibt eben unterschiedliche Zielgruppen und Erwartungen.
Setzt man dabei heute mehr auf Klasse als auf Masse?
In den 1960er bis 1980er Jahren stand Design dafür, eine „gute Form“ für Dinge zu generieren, die in einer großer Stückzahl produziert (potentiell) für jedermann zugänglich sein sollten. Zwischenzeitlich hat sich das Design aus diesem Korsett wieder gelöst. Durch das Internet sind wir in einer ähnlichen Situation wie in den 1920er, 1930er Jahren. Wie damals steht zwischen dem Produzenten und dem Markt nicht mehr unbedingt ein Händler oder Vertrieb. Unsere Studenten betreiben z. B einen Online-Design-Shop. Hierbei wird die Kommunikation einer Produktkultur ebenso experimentell erforscht wie das Interagieren mit Kunden. Dieser Trend zum Autorendesign hat die Trennschärfe zwischen dem, was früher unter dem Begriff Kunsthandwerk subsumiert wurde (und in Deutschland einen komischen Beigeschmack hatte) und dem Serienprodukt aufgeweicht.
Haben Sie als Designer eigentlich eine Definition für schlechten Geschmack?
(Zögert) Tja. Das ist eine wirklich gute Frage. Ich würde es mal so sagen: Für mich ist die Frage des Geschmacks eine absolute Privatsache. Streiten kann man darüber tatsächlich nicht. Geschmack ist so etwas wie Humor – und der läßt sich ebensowenig erlernen, wie man sich einen guten Geschmack zulegen kann.
Interview: Peter Steiniger. Quelle: Tageszeitung junge Welt, 30.06./01.07.2012, Nr. 150, Wochenendbeilage „faulheit & arbeit“ S.1-2, https://www.jungewelt.de/2012/06-30/001.php
- An der Halleschen Kunsthochschule Burg Giebichenstein sind mehr als eintausend Studenten aus zahlreichen Ländern immatrikuliert. Sie bietet ein breites Spektrum an künstlerischer und theoretischer Lehre und Praxis in zehn Studiengängen und 21 fachspezifischen Studienrichtungen – von Keramik über Mode bis Fotografie oder multimediales Design. Die Studierenden schließen ihr Studium in den Designstudiengängen mit Bachelor und Master, in den Kunststudiengängen mit dem Diplom und im Lehramtsstudiengang mit dem ersten Staatsexamen ab.
- Die aus dem 10. Jahrhundert stammende Burg Giebichenstein ist die älteste Festungsanlage unter den Saaleburgen. Ab 1915 wurde sie unter Direktor Paul Thiersch zur Staatlich-städtischen Kunstgewerbeschule, die sich dem deutschen Werkbundideal verpflichtet fühlte, umgebaut. Heute ist hier der Kunst-Campus der Halleschen Kunsthochschule beheimatet.
- Die Bildungsstätte an der Saale erlangte bereits in den 1920er Jahren als Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein einen herausragenden Ruf. Nach dem politisch erzwungenen Umzug des Bauhauses von Weimar nach Dessau wirkten hier wichtige Vertreter dieser Avantgarde der Klassischen Moderne. Von 1928 bis zu seiner Entlassung infolge der Machtübernahme durch die Nazis 1933 war der Bildhauer und Grafiker Gerhard Marcks deren Direktor. In der Nachkriegszeit wurde „die Burg“ unter der Leitung des ehemaligen Bauhaus-Schülers Walter Funkat zur Hochschule. Diese war prägend in der industriellen Formgebung, für Grafik, Design und Glasgestaltung in der DDR. Zu ihren namhaftesten Hochschullehrern zählte der Maler Willi Sitte.
Noch bis 8. Juli 2012: Plakatausstellung „Kubaner in Halle“, Kleiner Saal im Volkspark Halle. Schleifweg 8 a, Mo–Fr 14 bis 19 Uhr, Sa/So 11 bis 16 Uhr