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Eines der letzten Berliner Stummfilmkinos

Das Lichtspielhaus im Berliner Stadtbezirk Weißensee wurde im Jahr der aufziehenden Weltwirtschaftskrise 1929 noch als Stummfilmkino eröffnet. Benannt ist es nach der für ihr Orakel bekannten Stadt im antiken Griechenland.

Das „Delphi“ befindet sich in der Gustav-Adolf-Straße, die nicht den Schwedenkönig, sondern den Hamburger Kaufmann und preußischen Abgeordneten Gustav Adolf Schön würdigt. Nach dem Erwerb des Ritterguts Weißensee 1872 hatte dieser mit dem Verkauf der Grundstücke für den spekulativen Wohnungsbau groß Kasse gemacht. Er gilt damit als einer der Väter des Gründerviertels im heutigen Ortsteil des Bezirks Pankow.

Das in der damaligen Filmstadt Weißensee errichtete Theater mit einer Fassade im Stil der Neuen Sachlichkeit und großer Reklamefläche besaß 870 Plätze vor dem Orchestergraben. Es war eines von zu dieser Zeit rund 400 Kinos in der Reichshauptstadt. Diese boten vor allem den unteren Schichten Unterhaltung.

Bauherren der Delphi-Lichtspiele waren der Bauunternehmer Julius Meckel und der schwerreiche Architekt Julius Krost jr., nach dessen Entwürfen Heinrich Zindel das Kino mit Foyer, Rang und Bühne ausführte. Eröffnet wurde es unter Direktor Erwin Palkowski mit dem im ausgehenden zaristischen Russland spielenden deutschen Stummfilm „Hochverrat“. Im Jahr darauf folgten bereits Aufführungen mit Ton.

Im Zweiten Weltkrieg ist das Haus nur mäßig beschädigt worden und nahm nach provisorischer Instandsetzung bereits im Sommer 1945 den Spielbetrieb wieder auf. Als Pächter wurde die Astra-Delphi-Lichtspiele GmbH eingesetzt. Wegen sprichwörtlicher Baufälligkeit in Form von der Decke herabfallenden Stucks musste der Kinobetrieb der „Delphi-Filmbühne“ 1959 eingestellt werden.

Zu einer Sanierung des mittlerweile in den VEB Berliner Filmtheater eingegliederten Hauses kam es nicht. Fortan dienten die Räumlichkeiten als Lager, unter anderem für Gemüse, für Material des VEB Vereinigte Wäschereien Berlin (REWATEX) sowie der Zivilverteidigung. Außerdem befand sich in der DDR-Zeit hier das Briefmarkenfachgeschäft „Postillion“.

Nach Besitzerwechseln, Pleiten und Leerstand wird das Haus seit mehr als einem Jahrzehnt wieder als Kulturstätte genutzt. Als Partner für die Instandsetzung erwarb das Grundstück 2016 die Schweizer Edith-Maryon-Stiftung, die mit der Förderung sozialer und kultureller Projekte der Spekulation entgegenwirken will. Brina Stinehelfer und Nikolaus Schneider betreiben hier nun das „Theater im Delphi“. Auch Konzert und Tanz stehen auf dem Programm. Furore hat das alte Kino als ein Drehort der Serie „Babylon Berlin“ gemacht.

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