Peter Steiniger

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    08.06.2007

    »Wir waren nur Nummern«

    Anreisende G-8-Kritiker wurden unter fadenscheinigen Vorwänden busweise eingesperrt. Ein Gespräch mit Klaus Döweland

    Der Elektriker Klaus Döweland lebt in Berlin und ist politisch nicht organisiert. Er ist seit anderthalb Jahren erwerbslos

    Sie wurden auf dem Weg zu den G-8-Protesten verhaftet. Warum wollten Sie an den Aktionen bei Heiligendamm teilnehmen?

    Ich wollte mich als Einzelperson den Blockaden anschließen, um etwas gegen diese Kriegstreiber zu tun. Deshalb bin ich zum Camp Reddelich gefahren. Dort waren Busse organisiert worden, um am Dienstag Demonstranten zu den Aktionen am Flughafen Rostock-Laage während der Ankunft von US-Präsident Bush zu bringen. Da habe ich mich spontan mit angestellt und auch noch einen Platz bekommen.

    Aus der beabsichtigten Teilnahme an den Kundgebungen am Flughafen Laage wurde nichts. Weshalb?

    Unsere Fahrt endete an der Abfahrt nach Rostock-Laage. Bereits auf der Autobahn wurde unser Bus von Polizeifahrzeugen eskortiert. Man hat uns auf eine alte Baustellenzufahrt herausgewunken. Das war etwa gegen 16 Uhr. Dort mußten wir erst eine Weile warten, bis wir einzeln zum Aussteigen aufgefordert wurden. Wir hatten unser Hab und Gut auszubreiten und wurden an den Bus gestellt und fotografiert.

    Um wie viele Personen handelte es sich, und wie hat die Polizei ihr Vorgehen begründet?

    Wir waren insgesamt 57 Personen – aus unserem Reisebus sowie einem Kleinbus, der sich uns während der Fahrt angeschlossen hatte. Im wesentlichen Einzelpersonen, nur wenige kannten sich. Auch ein paar Jugendliche waren dabei. Alles ganz normale Leute eben.

    Unsere Gruppe wurde in ein aus Polizeifahrzeugen gebildetes Viereck, das von Beamten umzingelt war, gewissermaßen eingepfercht. Wir mußten dort eine Dreiviertelstunde im strömenden Regen ausharren. Nach etwa 15 Minuten war die Polizei so gnädig, wenigstens eine Frau mit einem Kleinkind ins Trockene zu lassen.

    Wir wurden schließlich alle in Gefangenentransporter verfrachtet und nach Rostock zur Industriestraße gefahren. Dort wurden wir in einer Art Gefangenensammelstelle, die sich in einer ehemaligen Fabrikhalle befindet, von der Polizei in Empfang genommen. Wir wurden erneut fotografiert und die neuen Bilder wurden mit denen verglichen, die am Bus entstanden waren. Das landet sicher in irgendeiner Datenbank. Fingerabdrücke hat man seltsamerweise aber nicht genommen.

    Wie waren die Bedingungen für die Gefangenen dort?

    Soviel ich sehen konnte, waren in diesem Komplex 16 Zellen errichtet worden. Das waren Gemeinschaftszellen, zirka sechs mal sechs Meter groß, und ungefähr 2,50 Meter hoch. Ringsherum war kleinmaschiger Gitterdraht, darüber waren Gumminetze gespannt. Sitz- oder Liegemöglichkeiten gab es keine. In der Zelle, in die ich kam, gab es einen versifften Bodenbelag, in den anderen nur den blanken Fabrikboden.

    In meiner Zelle waren wir 15 Leute. Man mußte bei den Wärtern grundsätzlich alles einklagen. Um Isomatten und Decken – wir hatten ja alle durchnäßte Klamotten – mußten wir fast betteln, etwas zum Trinken lautstark einfordern. Irgendwann haben sie Bananen besorgt. Da fühlten wir uns dann wirklich wie die Affen im Käfig …

    Wie sind die Beamten sonst mit Ihnen umgegangen?

    Wir hatten sogenannte Begleitnummern erhalten. Die Polizisten haben uns mit diesen Nummern angesprochen. Einige Mitgefangene haben sich das leider auch gefallen lassen. Offensichtlich waren viele das erste Mal mit so etwas konfrontiert. Bei mir haben sie es nicht mehr gewagt, nachdem ich darauf nicht reagiert und mich lautstark aufgeregt hatte.

    Wann wurden Sie mit einer konkreten Anschuldigung konfrontiert?

    Um 20 Uhr sind wir eingeliefert worden. Ungefähr ab 23 Uhr wurden wir dann alle dem Staatsanwalt vorgeführt, schubweise. Der kam dann mit einer ominösen Story: Ich hätte in einem Bus mit Vermummten gesessen. Dadurch sei ich als jemand aufgefallen, bei dem anzunehmen sei, daß er zu Straftaten beitragen könne. Das war alles.

    Welche Entscheidung fällte der Richter?

    Der wirkte von den Ausführungen des Staatsanwaltes wenig angetan. Er wird sich wohl auch gedacht haben: Wegen so einem Müll holen die mich nachts aus dem Bett. Der Beschluß war ganz klar: Mir ist keine Beteiligung an einer Straftat nachzuweisen, es gäbe »keine ersichtlichen Gründe für eine Gewahrsamname«. Stunden später war ich wieder frei.

    Interview: Peter Steiniger. Quelle: http://www.jungewelt.de/2007/06-08/020.php

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