Peter Steiniger

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    21.12.2010

    Patrice Lumumba kehrt zurück

    Denkmal vor dem Herder-Institut der Leipziger Universität wird neu aufgestellt. Kolloquium zum postkolonialen Afrika

    Sie war eine Rarität. Denn nicht viele Afrikaner wurden auf deutsche Sockel gehoben. Vor allem aber war die Stele mit der Büste von Patrice Lumumba vor dem Eingang des Leipziger Herder-Instituts für mehr als drei Jahrzehnte ein Symbol der Solidarität mit dem Kampf Afrikas. Die Erinnerung an den Freiheitshelden wurde am richtigen Ort gepflegt. 1956 als »Institut für Ausländerstudium« gegründet, war er für Generationen die erste Station vor einem Studium an Hochschulen und Universitäten der DDR. In einjährigen Kursen wurden vor allem die dafür notwendigen Sprachkenntnisse vermittelt. Viele der Teilnehmenden stammten aus den jungen, entkolonialisierten afrikanischen Staaten oder gehörten dort kämpfenden Befreiungsbewegungen an. Seit 1992 ist die renommierte Einrichtung, wo 1968 der erste Lehrstuhl für Deutsch als Fremdsprache überhaupt errichtet wurde, in die Philologische Fakultät der Universität Leipzig eingebunden. Unter dem Dach des neuen Herder-Instituts setzen das Studienkolleg Sachsen und der ehrenamtliche Verein interDaF e.V. die Tradition der Vorbereitung zukünftiger Studierender sowie der Weiterbildung ausländischer Wissenschaftler und Sprachlehrer fort.

    Der Leipziger Bildhauer Rudolf Oelzner schuf die Büste für das im November 1961 auf Betreiben der DDR-Jugendorganisation FDJ errichtete Denkmal für den Märtyrer des afrikanischen Freiheitskampfes. Patrice Lumumba, der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident des unabhängigen Kongo, war wenige Monate zuvor, am 17. Januar 1961, ermordet worden. Er war ein entschiedener Verfechter von Afrikas Freiheit und unerschrockener Ankläger des Kolonialismus als »erniedrigender Sklaverei, die uns mit Gewalt auferlegt wurde«. Damit stand er jenen im Weg, die – damals wie heute – Afrikas Reichtum zu einem Fluch werden lassen, die seine Ressourcen im Bündnis mit korrupten einheimischen Eliten ausplündern. Ein Komplott der ehemaligen Kolonialmacht Belgien und der CIA sorgte für die Eliminierung des charismatischen Politikers.

    In der Nacht zum ersten Mai 1997 zerstörten Unbekannte das Denkmal und ließen Lumumbas Büste verschwinden. Ihr Platz blieb über Jahre verwaist, weder Universität noch städtisches Denkmalamt fühlten sich zuständig. Den Bemühungen der Deutsch-Afrikanischen Gesellschaft (DAFRIG), des Friedenszentrums Leipzig und der Gesellschaft für Völkerverständigung ist es zu verdanken, das am 15. Januar 2011, kurz vor seinem 50.Todestag, Lumumba vor dem Herder-Institut wieder Gesicht zeigen darf. Da für die frühere Büste keine Vorlage mehr existierte, mußte eine neue gefunden werden. Sie stammt von Genni Mucchi-Wiegmann (1895-1969). Die Arbeit daran hatte sie noch zu Lumumbas Lebzeiten begonnen und unter dem Eindruck seiner Ermordung vollendet. Neben vielen Einzelspenden ermöglichen die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Harald-Breuer-Stiftung die Wiedererrichtung des Denkmals. Auch die Leipziger Universität hat in den aktiven Modus geschaltet und hilft bei der praktischen Realisierung. An die Denkmalenthüllung um 13 Uhr schließt sich ein Kolloquium »Macht.Politik.Ressourcen. Ein halbes Jahrhundert (un)abhängige Entwicklung in Afrika« an.

    Von Peter Steiniger. Quelle: http://www.jungewelt.de/2010/12-22/044.php

    Downloads:

    Flyer Denkmal

    Einladung Kolloquim

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