Peter Steiniger

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    13.08.2010

    Konstrukteur der Freiheit

    Zum Tod des portugiesischen Kommunisten und antifaschistischen Kämpfers António Dias Lourenço

    Seine spektakuläre Flucht aus dem Kerker von Peniche an einem Dezembermorgen 1954 ging in die Geschichtsbücher ein. An zusammengeknüpften Handtüchern ließ sich der Gefangene an den Mauern der aus dem 17. Jahrhundert stammenden Festung hinab und wagte den Sprung in den eiskalten Atlantik. Nur knapp mit dem Leben davongekommen und an Land gelangt, traf er auf eine Gruppe Fischer. »Ich bin Mitglied der Kommunistischen Partei und gerade aus der Festung geflohen«, gab er sich diesen zu erkennen. Und erhielt ihre Hilfe zur Fortsetzung seiner Flucht.

    Mit António Dias Lourenço verstarb am 7. August im Alter von 95 Jahren eine prägende Figur der portugiesischen KP und eine historische Gestalt des Widerstands gegen die klerikal-faschistische Diktatur unter Salazar und Caetano. In Vila Franca de Xira, einer Kleinstadt an der Tejomündung nahe Lissabon im Jahr 1915 geboren, erlernte er den Beruf des Mechanikers. Mit siebzehn Jahren schloß er sich den in die Illegalität gezwungenen Kommunisten an. Die PCP war die einzige organisierte politische Kraft, die seit 1926 durchgehend auf den Sturz des Regimes hinarbeitete.

    Dias Lourenço trug wesentlich dazu bei, die Organisation Anfang der 1940er Jahre organisatorisch zu festigen. Er führte Streiks an und knüpfte Verbindungen zwischen Arbeitern und intellektuellen Kreisen. Mitglied des Zentralkomitees seit 1943, wurde er 1956 erstmals verantwortlich für deren illegales Organ Avante!. Zweimal inhaftiert, verbrachte er insgesamt siebzehn Jahre hinter Gefängnismauern, standhaft trotz Folter und Isolation. Eines seiner Bücher widmete er seinem während der Haftzeit an Leukämie verstorbenen Sohn Tónio. 1960 gelang ihm erneut ein großer Coup gegen den Repressionsapparat. Über Monate organisierte er die erfolgreiche Flucht des KP-Generalsekretärs Álvaro Cunhal und zehn weiterer Genossen aus Peniche.

    Nach der Nelkenrevolution vom 25. April 1974, die den Faschismus hinwegfegte und Portugal den Weg in die Demokratie öffnete, gehörte Dias Lourenço der Konstituierenden Versammlung und bis 1987 dem Parlament an. Von der ersten legalen Nummer an bis 1991 war er Direktor von Avante!. »Um Jüngeren Platz zu machen«, schied er 1996 aus dem Zentralkomitee aus. Aus Überzeugung und den Zeitumständen heraus zum Berufsrevolutionär geworden, blieb er dabei stets das Gegenbild eines abgehobenen Apparatschiks. Humorvoll und intelligent konnte und wollte er seine proletarischen Wurzeln nicht verleugnen. Seine Partei, die Menschen wie ihm ihre Prinzipientreue und Integrität verdankt, würdigt ihn als »herausragendes Vorbild« für »gegenwärtige und künftige Generationen von Kommunisten«.

    Veröffentlicht in junge Welt, 13.08.2010, Nr.186, http://www.jungewelt.de/2010/08-13/034.php

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