Peter Steiniger

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    04.06.2010

    Abschied vom »roten Admiral«

    Zum Tod von Rosa Coutinho, einem standhaften Verfechter der Ideale der portugiesischen Nelkenrevolution

    Hunderte begleiteten am Donnerstag in Lissabon Admiral António Rosa Coutinho zur letzten Ruhe. Am Tag zuvor war er nach langer Krankheit im Alter von 84 Jahren verstorben. Damit schied das letzte Mitglied der Militärjunta (Junta de Salvação Nacional), die in Portugal nach dem 25. April 1974 die Macht übernommen hatte, aus dem Leben. Rosa ­Coutinho war eine der bedeutendsten Figuren der mit dem Aufstand der Offiziere initiierten Nelkenrevolution. Diese befreite Portugal nach 48 Jahren von der langlebigsten klerikal-faschistischen Diktatur unter António Salazar sowie dessen Nachfolger Marcelo Caetano. 13 Jahre blutiger Kolonialkriege in Angola, Moçambique und Guinea-Bissau hatten Portugal ökonomisch verschlissen und in den Streitkräften eine antifaschistische Front geformt.

    Im April 1974 im Rang eines Fregattenkapitäns, wurde Rosa Coutinho als Vertreter der aufständischen Bewegung der Streitkräfte (Movimento das Forças Armadas – MFA), in eine Schlüsselstellung für den Verlauf des revolutionären Prozesses entsandt. Er überwachte die Auflösung der faschistischen Milizorganisation Legião Portuguesa und der berüchtigten Geheimpolizei PIDE. Auf dem linken Flügel der Bewegung stehend, wurde er allgemein als der »rote Admiral« bekannt. Kein Mitglied dieser Partei, identifizierte man ihn aufgrund seiner politischen Konsequenz stark mit den Kommunisten (PCP). Wie General Vasco Gonçalves, Ministerpräsident dreier Provisorischer Regierungen bis September 1975, verfolgte auch er eine klar antikapitalistische Orientierung, welche die innere und äußere Reaktion auf den Plan rief.

    Rosa Coutinho hatte entscheidenden Anteil daran, die schnelle Entlassung der portugiesischen Kolonien in die Unabhängigkeit zu sichern. In Angola führte er ab dem 31. Januar 1975 als Hochkommissar die Übergangsregierung und stellte sich konsequent an die Seite der Befreiungsbewegung MPLA. Nach der Zurückdrängung des revolutionären Prozesses und der Ausschaltung linker Militärs zog er sich aus politischen Funktionen zurück. Immer wieder meldete er sich zu Wort, um sich für die Friedensbewegung, gegen die NATO oder für Linkskandidaten bei Wahlen einzusetzen. »Bis zu seinem Lebensende bewahrte Admiral Rosa Coutinho eine treue Haltung zu den Werten und Idealen der April-Revolution«, würdigt die PCP zu dessen Tod Rosa Coutinho als einen »Freund und Verbündeten« mit dem Kampf der Arbeitenden.

    Mit seiner persönlichen Bescheidenheit, Integrität und Konsequenz bleibt der »rote Admiral« das Beispiel eines Revolutionärs von Format.

    Von Peter Steiniger. Quelle: http://www.jungewelt.de/2010/06-05/033.php

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